Wer sich mit der Geschichte Schleswig-Holsteins ein bisschen auskennt, der weiß, dass in frühmittelalterlicher Zeit, also etwa vom 7. bis hinein ins 12 Jahrhundert, die Slawen einen wichtigen Teil der Geschichte des Landes ausmachten. Wen diese Zusammenhänge interessieren, den wird der so genannte Oldenburger Wall faszinieren. Aber auch wer eigentlich nicht übermäßig geschichtsinteressiert ist, wird sich dieser beeindruckenden archäölogischen Kulturstätte nicht entziehen können.
Einst war der Oldenburger Wall die einzige städtische Siedlung im heutigen Schleswig-Holstein und diente unter dem Namen „Starigard“ des Slawen als westlichster Fürstensitz. So wurde das damalige Starigard zu einer nicht nur in der Region, sondern landesweit bedeutenden Hafen- und Handelsstadt. Diese galt es natürlich zu schützen und so entstand großzügig um die Burg herum gebaut eine beeindruckende Mauer. Über 18 Meter war der Ringwall, der zu seiner Hochzeit ein beachtliches Gebiet von ganzen vier Hektar einschloss.
Im Wallmuseum in Oldenburg kann man heute eindrucksvoll die Geschichte und Entwicklung des vom Oldenburger Wall beschützen Starigards nachvollziehen. Zahlreiche archäologische Funde von Waffen oder Ausrüstungen für Soldaten und Pferde aber auch Becher und anderes Tafelgeschirr zeigen, dass Oldenburg damals als internationaler Seehafen fungiert hat, an dem Waren aus den verschiedensten Gebieten Europas gehandelt wurden.
Die ständige Ausstellung “Slawen und Deutsche im Mittelalter” fasst über 600 Jahre nordeuropäischer Geschichte zusammen und zeigt, dass Oldenburg damals zu den bedeutendsten Angelpunkten für Handel und kulturellen Austausch gezählt haben muss. Außerdem gibt es im Museum regelmäßig spannende Vorträge und verschiedene Sonderevents wie Ausflüge und Erlebnistage. Eine beeindruckende Konstruktion des Oldenburger Walls macht die unglaublichen Ausmaße der einstigen Burganlage deutlich.
Wer bisher noch nicht völlig überzeugt davon ist, dass das Museum wirklich absolut sehenswert ist, den können vielleicht die so genannten Slawentage umstimmen. Jedes Jahr an einem Sommerwochenende ist es so weit: Ein riesiger Markt mit Handel, Sport und Spiel wird aufgebaut und erweckt das Mittelalter zu neuem Leben. Die Gäste können Handwerkern bei der Fertigung mittelalterlicher Kunst zusehen oder sich im Bogenschießen oder Speerwerfen versuchen.